Chorsängers Leiden

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Chorsängers Leiden

(Frei nach Erich Kästner und Anderen)

 

Ach, was muss man oft von bösen Chorleitern hören oder lesen!

Wie von dem- ihr wisst’s genau- dem Chordompteur vom MBV!

 

Wenn wir nach des Sonntags Mühen montags dann zur Probe ziehen,

um mit Disziplin und Eifer zu werden musikalisch reifer,

geht’s schon los mit dem Geprügel von des Chorchefs schwarzem Flügel:

 

„Nehmt heraus den Jahresplan! Ein Chortermin der bahnt sich an!

Ich erwarte vor allen Dingen: Ein jeder hat da mitzusingen!

Es hilft nur Job oder Gebrechen um sich von der Teilnahme freizusprechen!

Den Urlaub könnt ihr anders legen, die Straße auch mal freitags fegen.

Und den Besuch, der kommen will, den bringt ihr mit- das ist das Ziel.“

Wie soll als Rentner oder Arbeitsmannen man denn 8 / 12 Wochen vorher planen!

Daß wir auch unsre Pläne hegen- da muss er doch Verständnis pflegen!

 

Dann geht es weiter in dem Laden: Ein Einsingen, das kann nicht schaden!

„Soprane ihr, jetzt gebt mal Gas, es ist doch nur das hohe As!

Mein lieber Alt komm aus den Socken, bleib nicht so in der Tiefe hocken!

Die letzten Reihen, die Männlichkeit, seit ihr dann endlich auch soweit.

Ich mach’s euch vor wie’s richtig geht- nein, ihr wart wieder mal zu spät!

Und allesamt- ihr macht mich flexisch- singt ausnahmsweise nicht so sächsisch.

Und ihr Zwei da- gleich wird getobt, bemerkt ihr nicht, jetzt wird geprobt!“

Er sieht’s halt nicht- sehr zum Verdruss-, dass man auf Singtemperatur erst kommen muss.

Und dazu führt halt nur ein Weg- das sängerische Zwiegespräch.

 

Nun heißt es: „Noten raus- ganz fix! Das letzte Mal, das war noch nix!

Ich bat euch ja, es zu erwägen, den Text zuhaus’ euch einzuprägen!“

Doch wir können proben, singen- nie will es uns recht gelingen!

Immer tönt’s: „Schön war’s ja schon! ABER dieser eine Ton

und der andre in dem Takt, die warn wirklich nicht exakt.

Mal zu laut, auch gern zu leise. Meistens ist’s  die Singeweise.

Ob nun kurz oder gebunden. „Das „t“ war wieder mal verschwunden!“

Gehässig klingt’s an unser Ohr: „Ihr singt ja wie ein Rentnerchor!“

Auch hier tät sich mal Einsicht lohnen! Wir sind halt Laien- mit Starambitionen.

 

Und die Probendisziplin kriegen wir doch bestens hin!

Quatschen nur, wenn wir auch müssen. Die Termine tun wir wissen.

Wir verdreh’n auch nicht die Augen, wenn die Ratschläge nix taugen.

Tuscheln nicht hinter den Noten, denn das ist ja strikt verboten.

Ebenso die Fotoschau. All das wissen wir genau!

Ja wir sind mit allen Sinnen bei der Probe hier darinnen.

Achten (meistens) auf die Worte die da tönen vom Pianopforte.

Haben Ordnung in der Mappe, die Geduld ist nicht von Pappe,

legen unsers Chores Glück in des Chefs Musikgeschick.

Aber eins ist uns ganz wichtig: Wir singen schon sehr lange- und immer richtig!

 

Und die Stücke, die wir proben- wir woll’n den Chef ja auch mal loben-

sind meistens toll, wir mögen’s sehr. Doch meistens sind sie viel zu schwer!

Denn der Sopran wird doch schnell matt, wenn er die Melodie nicht hat.

Und die Tenösen unsre Lieben werden in die höchste Höh’ getrieben.

Der Alt kriegt ständig nur zu hören: „Zu lahm seid ihr, und das kann stören!

Auch seid ihr oft im Ton zu tief- dann klingt der ganze Chor gleich schief!“

Und unsern Bässen- muss man sagen- geht es doch öfter an den Kragen:

„Der Einsatz, der kam nicht auf vier! Was ihr da singt, das steht nicht hier!

Die Terz nach oben, die sei rein- so schwierig kann das doch nicht sein!

Die Hauspantoffeln zieht mal aus und kehrt die Sangeswut heraus.

Seid spritzig wie der junge Reck’ und nicht so tranig, wie die Maus im Speck!“

 

Da denkt man manchmal voller Glück an die gute alte Zeit zurück!

Als wir in erst- bis dritter Stimme so ganz nach Volkschor-Sanges Sinne

die schönen Weisen taten bringen- das war noch ein entspanntes Singen.

Zwar wurd’ auch damals drauf geachtet, dass man den Dirigent beachtet.

Doch sangen wir doch mehr für uns und machten nicht auf große Kunst.

Wer hätte damals denn erwartet, dass singen auch in Stress ausartet.

 

So manchmal kann’s in einem nagen, man sieht sich aufspringen und sagen:

„Du, Dirigent, sei mal ganz Ohr! Wir sind nicht Sklaven- sind ein Chor!

Ob er’s versteht? Man kann’s nur hoffen und unser Weg, der ist noch offen!

Wir geben weiter uns viel Müh’, daß die Musik so aus uns sprüh!

Wir machen unsern Helko froh- und manchmal tun wir halt nur so!

 

Von einem noch woll’n wir berichten, den nebensängerischen Pflichten!

Der Chorchef muss es eben raffen: Nicht immer kann’s zum Chor man schaffen!

Der Gründe gibt es wahrlich viele, als Mensch hat man auch andre Ziele!

Genannt sei hier nur mal der Sport. Ob in Meerane oder andrem Ort

muss man, um Preise zu erringen so manches Opfer auch erbringen.

Trainiert sein will der Aufschlag gut, damit er Punkte bringen tut.

Da kann es schon einmal passieren- man kommt zu einer Prob’ von vieren!

Die andern werden es schon richten- „Es hängt doch nicht an mir- mitnichten.“

Auch unsre Enkel so an sich, machen durch die Planung gern ’nen Strich.

Als Großpapa und Großmama ist man doch gern zur Aufsicht da.

So wird manchmal halt notgedrungen statt „Erile“ „Hänschen klein“ gesungen.

Und dass man gern auf Reisen geht ein jeder hier doch wohl versteht.

Denn so ’ne Reise, ja die schafft für’s Singen doch auch neue Kraft.

 

Hier sei zu Ende das Gemecker- es geht mir selber auf den Wecker!

Ich mach jetzt Schluss und sage schlau:

Dem Chor des Meeraner Bürgervereins

Ein dreifach HELAU!

 

 



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